Die Geschichte der Seele – Griechenland – die Geburt des Logos

“Die Philosophie wie auch die exakte Wissenschaft beginnt dann, wenn jemand eine allgemeine Frage stellt.”

Dieser Satz steht am Anfang des Werkes “Geschichte der Philosophie” des berühmten englischen Mathematikers und Philosophen Bertrand Russell (1872-1970). Es geht also ganz konkret um die Frage nach dem “Warum”, um die Frage, weshalb ganz bestimmte Ereignisse immer wieder eintreten oder vermieden werden können.

Das Ziel der Suche ist die allgemeine Ursache, die hinter bestimmten Ereignissen oder Phänomenen steht, die Suche nach dem Muster oder dem Programm, das diese Ursachen bewirkt. Es stellt sich die Frage, ob auch die indischen Brahmanen und Buddha solchen allgemeinen Fragen nachgingen, um in der Lage zu sein, das Leben in all seinen Erscheinungsformen, sozusagen das Programm der Welt, zu erklären.

Die griechischen Philosophen gaben ihrer Neugier und ihrem Forschungsdrang allerdings eine andere Richtung. Erstmals taucht die Bezeichnung “philosophieren” in den Werken des Geschichtsschreibers HERODOT (um 490-425 v. Chr.) auf. Er schreibt über SOLON (von 640-560 v. Chr.).

Dieser habe viele Länder philosopheon (philosophierend) bereist – um der Betrachtung (theoria) willen. PYTHAGORAS (um 580-500 v. Chr.) ist der erste uns bekannte Forscher, auf den die Bezeichnung “Philosoph” im eigentlichen Sinne zutrifft. Er war ein weitgereister Mann und besuchte -vermutlich angeregt durch seinen Lehrer THALES VON MILET (625-545 v. Chr.) -Ägypten, um sich dort in einer der Tempelschulen unterrichten zu lassen.

Angeblich soll er bei der Eroberung Ägyptens durch Kambyses im Jahr 525 v. Chr. als dessen Gefangener nach Babylon gebracht worden sein und von dort aus auch Persien und Indien bereist haben.

PYTHAGORAS war also ein Zeitgenosse BUDDHAS. Als rein intuitives Wissen, das im Einzelfall nicht von den dazugehörigen Religionsinhalten getrennt war, muß man die Kenntnisse verstehen, die er bei den ägyptischen Priestern und wahrscheinlich auch -ebenso wie Prinz SIDDHARTHA – durch die Brahmanen erwarb.Doch mit dieser Mischung aus Glauben und Wissen gab er sich nicht zufrieden.

Als Erklärung dazu ein Beispiel: Um Pyramiden zu bauen, benötigten die ägyptischen Priester die exakte Definition eines rechten Winkels. Zu diesem Zweck knüpften sie einen Knoten an den Anfang eines Seils. Danach folgten noch drei weitere Knoten im Verhältnis 3:4:5. Sodann wurden Anfang und Ende (letzter Knoten) zusammen an einem Pflock befestigt. Mit Hilfe zweier weiterer Pflöcke wurde das Seil an der Stelle der beiden anderen Knoten straff gespannt. So erhielten sie ein Dreieck, das einen rechten Winkel zwischen den beiden kürzeren Seiten einschloss. Die Priester erklärten nicht, wie sie zu dieser Kenntnis gelangt waren.

Jedoch könnte es sein, dass sie bei der Beobachtung der Gestirne festgestellt hatten, dass die Zahl 3 der Sonne zugeordnet ist (Aufgang, Mittagshöhe, Untergang) und die Zahl 4 dem Mond, da er vier Phasen hat. Da nach ihrer Vorstellung der Mensch durch Ba mit dem Kosmos verbunden war, benutzten sie neben den kosmischen Zahlensymbolen 3 und 4 auch noch die Zahl des Menschen, nämlich die 5, die sich aus der Addition der menschlichen Extremitäten (Beine, Arme, Kopf) erklärt. So verfügten sie über das rechte Verhältnis, das wiederum den magischen Schlüssel, die Grundlage für alle weiteren Berechnungen darstellte.

Doch nun beginnt ein ganz erstaunlicher Vorgang: PYTHAGORAS entwickelt eine abstrakte Vorstellungskraft, die seinen Lehrern und Zeitgenossen geradezu sonderbar erschienen sein muss, die sie geradezu in Erstaunen versetzt haben muss, da sie ihrer gewohnten magischen Psycho-Logik widersprach.

Dadurch, dass er die Zahl vom Objekt trennt (das Problem abstrahiert), verallgemeinert er diese Beziehung. Er erkennt, dass man durch die Addition der Quadratzahlen von 3 und 4, also 9 und 16, die Quadratzahl von 5, nämlich 25 erhält. Daraus schließt er, dass man die Quadratzahl der Länge der dritten Seite aus der Summe der Quadrate der zwei anderen Seiten berechnen kann, will man ein rechtwinkliges Dreieck erhalten.

Auf Grund dieser Erkenntnis geht er noch einen Schritt weiter, der geradezu eine Revolution im Bereich des Denkens darstellt: Er kehrt den ganzen Vorgang gedanklich um und stellt damit den Lehrsatz auf, der ihn unsterblich machte.

Noch heute lernt jeder Schüler im Mathematikunterricht:

In jedem rechtwinkligen Dreieck ist das Hypotenusenquadrat (= Quadrat über der dem rechten Winkel gegenüberliegenden Seite) gleich der Summe der beiden Kathetenquadrate (Katheten = die den rechten Winkel einschließenden Seiten).

Später lobt ARISTOTELES (384-322 v. Chr.) PYTHAGORAS, indem er ihm das Verdienst zuschreibt, die Beschäftigung mit der Mathematik in den Rang einer Wissenschaft erhoben zu haben. PYTHAGORAS ist aber nicht nur der Begründer der Mathematik, mit ihm beginnt überhaupt erst ein wissenschaftliches Denken im heutigen Sinne.

Seine Art, zu denken, unterscheidet sich grundlegend von dem bis dahin üblichen magischen Denken. PYTHAGORAS erkennt das abstrakte Muster, das hinter den magischen Zahlenverhältnissen der Berechnungen der Priester steht und ist in der Lage, dieses Muster als allgemeingültiges Gesetz zu formulieren. Damit beweist er, daß er bereits logisch denken kann.

Von diesem Zeitpunkt an wird auch die Seele zum Gegenstand logischer Überlegungen. PYTHAGORAS und den Naturphilosophen seines Zeitalters (den sogenannten “Vorsokratikern”) verdanken wir die ersten Theorien hierüber. Gelegentlich werden sie etwas geringschätzig in den Bereich der Seelenmythologie verwiesen, soweit sie sich an einer Erklärung der menschlichen Psyche versuchen. Die Ursache dafür liegt vermutlich darin, dass gewisse, in der Philosophie zum Dogma erhobene Vorstellungen bis heute nicht überwunden sind.

THALES VON MILET vermutet, angeregt durch das Phänomen des Magnetismus, eine generelle psychische Energie. HERAKLIT (544-483 v. Chr.) vergleicht die Seele mit einem Sternenfunken, was wiederum an den ägyptischen Ba erinnert, mit dem Unterschied, dass HERAKLIT die Seele eher als Substanz auffasst, sozusagen als eine Art Manifestation kosmischer Strahlen.

Die Atmung schafft die Verbindung zwischen der menschlichen Psyche und dem Kosmos. Für EMPEDOKLES (ca. 490-425 v. Chr.) stellt das Blut den Sitz der Seele dar. Gemäß seiner Philosophie entsteht sie durch eine Wechselwirkung zwischen den vier Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft. Analog dazu gibt es vier Temperamente des Menschen. Der Körper ist aber nur die stoffliche Hülle der Seele, in ihm manifestiert sie sich als denkendes Bewusstsein.

Nach dem Tod des Körpers ist sie wiederum in einem neuen Wesen inkarniert, unter Umständen auch in einem Tier oder in einer Pflanze. Das Psychische als eine Art energetisches Feld lehrt DEMOKRIT (460-370 v. Chr.), der auch gern als geistiger Vater der modernen Atomtheorie angesehen wird. Er lehrt, dass die materielle Welt aus einer Anzahl verschiedenartiger Atome besteht.

Ihre Quantität bildet das materielle Sein. Die Strukturen der Welt werden von ebenso unteilbaren kleinsten kugelförmigen Teilchen gebildet. Sie sind keine Materie, sondern seelische Energieteile. Sie erst beleben die Materie, und zwar ebenso die tote wie auch Tiere, Pflanzen und Menschen. DEMOKRIT entwickelte die Vorstellung, der Mensch sei als Mikrokosmos zu verstehen, der eine spiegelbildliche Entsprechung im gesamten Kosmos (Makrokosmos) findet und umgekehrt. Auch seiner Ansicht nach verbindet die Atmung die Psyche mit dem Körper.

Sehr modern denkt DEMOKRIT über die Wahrnehmung von Farben und Gerüchen. Er erkennt, dass sie keine Eigenschaften der Außenwelt sind, sondern subjektiv durch die Funktion der Sinnesorgane – der Augen und der Nase – erlebt werden.

Unverkennbar ist der Einfluss, den die ägyptische Seelenlehre sowie brahmanische Gedanken, die bereits damals nach Griechenland gekommen sind, auf die griechische Philosophie genommen haben.

Die griechischen Denker der Antike begnügten sich aber nicht mit dem überlieferten Wissen, sondern unterzogen es einer kritischen Prüfung. Das heißt aber nicht, dass sie die Vorstellungen, die in vergangenen Zeiten von Göttern und von der Seele bestanden, von vornherein als veraltet oder gar als Aberglauben abqualifizierten.

Im Gegenteil: Ihre Bewunderung wurde durch die einmaligen Zeugnisse der bildenden Kunst und der Architektur (Pyramiden, Tempel), die Ergebnisse des magischen Denkens und religiöser Offenbarungen waren, geweckt. Noch stärker als ihre Bewunderung für die Entstehung dieser Weltwunder war aber die dadurch ausgelöste Wissbegier.

Da die Namen der Götter sowie die Kulte und Bräuche, mit denen sie verehrt wurden, und auch die Erklärungen, die die jeweiligen Priester über Seelen- und Geisteskräfte gaben, von Land zu Land stark differierten, begannen die griechischen Philosophen damit, alle diesbezüglichen Informationen von den jeweils landesspezifischen Vorstellungen zu trennen, um dann das dahinterstehende allgemeingültige Prinzip zu erforschen. Für die griechischen Philosophen war die Welt noch eine Einheit von Materie als gestalteter Form und der Energie, die diese Form gestaltete.

Desgleichen sah man den Menschen als eine Einheit von Körper und Seele. PYTHAGORAS betrachtete auch die Welt der Zahlen als eine geistige Wesenheit. Schon ihm war bewusst, dass ein rechter Winkel keine materielle Realität darstellt, ebenso, dass es keine Linie und keinen Punkt im mathematischen Sinne gibt, sondern dass auch die dünnste gezeichnete Linie bereits eine Fläche darstellt, dass der kleinste Punkt bereits einen Kreis bzw. einen dreidimensionalen Körper bildet.

Nach seiner Auffassung war die Mathematik die Darstellung einer kosmischen Bewusstheit. Folglich musste von den Gesetzen der Mathematik auf die Gesetze der Schöpfung geschlossen werden können.

Die Beschäftigung mit der Mathematik, der Logik und den Überlegungen über das Wesen der Psyche stellte für die griechischen Philosophen noch eine Einheit dar. Die damaligen Auffassungen von Zahlenmustern als Informationen sind durchaus im modernen Sinne mit der Kybernetik vergleichbar. Man denke dabei beispielsweise daran, dass bereits PYTHAGORAS auf das Phänomen der irrationalen Zahlen stieß, das heißt, er entdeckte die Inkommensurabilität von zueinander irrationalen Größen.

Durch die Entdeckung des Irrationalen und die Beschäftigung mit dem Studium der Zahlenfolgen und Reihen wurden ihm bereits Einsichten in das Unendliche möglich. Erst zweitausend Jahre später wurden diese Erkenntnisse von LEIBNIZ wiederentdeckt. Er entwickelte daraus die Infinitesimalrechnung – was wiederum die unabdingbare Voraussetzung für die moderne Kybernetik war, mit deren Hilfe erst der Beginn der Eroberung des Kosmos durch die heutige Weltraumfahrt möglich wurde.

Der Durchbruch vom magischen zum logischen Denken ist ein in der menschlichen Bewusstseinsevolution einmaliger Vorgang, die auf die griechisch-abendländische Kultur der Antike beschränkt blieb, wie literarischen Quellen zu entnehmen ist. Dieser Schritt in der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins bewirkte allerdings gleichzeitig eine Art Bewusstseinsspaltung, da die Geburt des Logos sehr bald einen philosophischen Dualismus nach sich zog: Nämlich die Trennung des Körpers sowie seiner Erlebnisfähigkeit und einer davon unabhängigen überirdischen Seele, also eine Scheidung in eine sichtbare und kosmische Welt sowie in einen metaphysischen Bereich – das Jenseits.

PLATON jedenfalls geht nicht mehr von der Ganzheitsvorstellung der Welt aus, wie sie ursprünglich verbreitet war. Die bedeutendsten zeitgenössischen Philosophen, Dichter und Politiker diskutieren in seinem berühmten Werk “Symposion” (“Das Gastmahl”) über Vorstellungen des Leib-Seele-Verhältnisses.

Genau wie es zwei Gestalten der APHRODITE gibt, APHRODITE URANIA (die himmlische Liebe) und APHRODITE PANDEMOS (die irdische Liebe), so gibt es auch zwei Arten des Eros: den geistigen und den sexuellen.

Analog dazu besteht die psychische Dualiät von epithymetikön und logistikön. (Modern ausgedrückt, entsprechen diese Begriffe in etwa dem, was FREUD mit dem Begriffspaar Libido und Vernunft bezeichnet.) Die physische Triebhaftigkeit, epithymetikön, ist sterblich, während das logistikön die Manifestation einer unsterblichen Seele darstellt.

Sie hat ihre Wurzel in der Dimension der ewigen Ideen, in der Sphäre ohne Raum und Zeit, der Sphäre der Urmuster (JUNG nennt diese “Archetypen”).

Diese “Ideen” sind von magischem Charakter, sie sind für den Verstand unerforschlich und nicht begreifbar. Nur durch eine visionäre Schau ist die Kenntnis von diesen Ur Mustern zu erlangen.

PLATON betrachtet dieses visionäre Wissen als vorrangig vor der verstandesmäßigen Erkenntnis. Sein Schüler ARISTOTELES (384-322 v. Chr.) ist im Gegensatz dazu ein ausgesprochener Realist.

Obwohl er die Ideenlehre von PLATON übernimmt, fasst er diese Ur -Muster bereits in einem mehr biologischen Sinn auf. Er sieht diese als ein gestaltendes Prinzip, das er mit dem Begriff “Entelechie” bezeichnet.

Er trifft die streng dualistische Unterscheidung zwischen Seele und Geist. Der Geist verleiht dem Menschen die Fähigkeit des Denkens und des Erkennens. Auch für ARISTOTELES ist nur der Geist des Menschen unsterblich, wobei er annimmt, daß nur der Mensch Geist hat. Er sieht jedoch, dass mit dieser Theorie das Leib-Seele-Problem nicht zu lösen ist, da auch den Trieben eine Dynamik eigen ist.

Aus diesem Grund widmet die aristotelische Psychologie der Affektlehre besondere Aufmerksamkeit. Noch heute hält die Schulpsychologie sein Werk “Peri Psyches” (“Über die Seele”) für das erste und wichtigste Lehrbuch der Psychologie. Darin bezeichnet er Triebe, Affekte sowie Träume als Phänomene mit physiologischen Ursachen.

Eingehende Überlegungen widmen sich auch dem Gedächtnis, wobei er es von der Erinnerung abgrenzt. Darüber hinaus trifft er sehr genaue Unterscheidungen zwischen Wahrnehmungen, Erwartungsvorstellungen und Erinnerungsbildern und liefert die Erklärung für die jeweiligen Assoziationszusammenhänge.

Die Untersuchungen über die Seele in ihren biologisch-physiologischen Wechselwirkungen zählt ARISTOTELES zum Bereich der Physik, das heißt, in dieser Beziehung betrachtet er die Psychologie als Naturwissenschaft.

Die hinter der Psychologie stehende Meta-Psychologie betrachtet er als Geisteswissenschaft schlechthin. Man sieht, ARISTOTELES ist ein nach Methoden vorgehender Lehrer. Unbestritten ist die Begründung der philosophischen Disziplin Logik seine herausragenste Leistung.

Er unterscheidet sich in seinem Vorgehen jedoch sehr von PYTHAGORAS und dessen Nachfolgern, vor allem in der Bemühung, die Erkenntnis der Zusammenhänge und die Entdeckung der Grundgesetzmäßigkeiten zu suchen.

Ihr Denken richtete sich auf eine ganzheitliche Erkenntnis, während der Geist des ARISTOTELES zugleich analysierte und zusammenfasste. So prägte er die Spezialisierung der abendländischen Wissenschaften.

HIPPOKRATES, ein griechischer Arzt (460-377 v. Chr.), befasste sich schon vor PLATON und ARISTOTELES mit dem Studium der Seele. Seine Heilkunst ist als Beginn einer naturwissenschaftlich forschenden Medizin anzusehen. Allerdings existierte in der von ihm gegründeten Ärzteschule der von ARISTOTELES begründete Dualismus noch nicht.

HIPPOKRATES und seine Schüler betrachteten den Menschen als eine Erscheinungsform des Lebendigen, die nur durch das Wechselspiel zwischen Körper und Seele existiert. Daraus folgte die Berücksichtigung beider Aspekte für eine Therapie. Allerdings erscheint dem heutigen Betrachter die damalige Diagnostik und Behandlungspraxis als reine Mantik und Magie.

Für die Diagnose wurden auch die Träume herangezogen, sie galten als Nachricht der Götter. Eine Form der Therapie war der Heilschlaf im Tempelbezirk des Gottes ASKLEPIOS, dem die Wunderwirkung dieses Gottes zugesprochen wurde. Bei etwas freierer und zeitgemässerer Interpretation dieser Quellen erkennt man, dass HIPPOKRATES bereits eine psychosomatische Medizin betrieb.

Zwar kannte man den Begriff des Unterbewussten noch nicht, die Informationen des Unterbewussten in ihrer Wirkung auf Körperfunktionen wurden jedoch genau beobachtet und zur Diagnose und Therapie genutzt.

Für den Berufsstand der Ärzte, dessen Wissen um psychische Funktionen und Wirkungen auf der dauernden naturwissenschaftlichen Erfahrung beruhte, war auch in den folgenden Jahrhunderten das ganzheitlich psychosomatische Denken der hippokratischen Schule das wichtigste Erklärungsprinzip für das Wesen des Seelischen. In der Philosophie setzt sich allerdings der von ARISTOTELES begründete Dualismus mehr und mehr durch.

THEOPHRASTOS (372-287 v. Chr.) bemüht sich als Nachfolger von ARISTOTELES und als Leiter der von diesem gegründeten Akademie in der von ihm verfassten Charakterkunde (“Charakteres”) um eine gewisse praktische Erfahrungspsychologie.

HIPPOKRATES vertritt die Lehre von den Temperamenten, die er auf die Wirkung von Körpersäften – heute: auf hormonale Wirkungen – zurückführt. Im Gegensatz dazu ist für THEOPHRASTOS der Charakter nur eine Folge der Art und Weise, in der der Mensch mit seiner Seele umgeht. Für ihn ist es völlig abwegig, von körperlichen Vorgängen auf die Seele schließen zu wollen, da die Seele selbst seiner Ansicht nach eine dem Körper überlegene und übergeordnete Wesenheit ist.

Wenn überhaupt, dann ist ein Verständnis der Seele nur durch den Geist als einer erkenntnisfähigen höheren Seelenkraft möglich. Eine Beschäftigung mit der Seele kann demzufolge nur auf geisteswissenschaftlichem Gebiet möglich sein. Diese Vorstellung blieb länger als zwei Jahrtausende erhalten und ist auch heute noch nicht ganz überwunden.

„Wer sich zuviel mit Kleinigkeiten befasst,
wird unfähig zum Großen.“
François VI. de La Rochefoucauld

Guter Reichtum – Erfahre hier mehr!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.