Lebensberatung

Das Geheimnis menschlicher Verhaltensweisen – Analyse von Transaktionen

 

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Analyse von Transaktionen

Als Transaktion wollen wir im weiteren Verlauf dieses Abschnittes folgenden Sachverhalt verstehen: Das Grundelement der Kommunikation zwischen zwei Menschen, die Übermittlung und die auf die Nachricht folgende Reaktion. Dementsprechend unterscheiden wir bei einer Transaktion zwischen dem Transaktionsreiz, der die Kommunikation auslöst, und der Transaktionsantwort, mit der der Gesprächspartner auf das Gesagte reagiert.

Die Transaktionsantwort stellt nicht nur die Reaktion auf das Gesagte, auf die eigentliche Information dar, sondern sagt gleichzeitig etwas über die Meinung aus, die sich der eine Gesprächspartner von seinem Gegenüber gebildet hat. Das heisst: Er reagiert nicht nur auf die Mitteilung selbst, sondern auch auf die Person, die ihm diese Mitteilung überbringt.

Wir müssen uns klar machen: Die Mitteilung entspringt einem bestimmten Ich-Zustand des Sprechers. Und sie wird von ihm auf einen bestimmten Ich-Zustand seines Gegenübers gerichtet. Bei der Analyse einer Transaktion haben wir folglich eine Reihe von Unterscheidungen zu treffen. So kann eine Nachricht oder Information vom Eltern-Ich des Sprechers ausgehen, sich aber auf das Kindhetts-lch seines Gesprächspartners beziehen. Oder: Eine Transaktion erfolgt von Erwachsenen-Ich zu Erwachsenen-Ich. In diesem Fall läuft die Kommunikation auf der gleichen Ebene ab.

Wir wollen diese unterschiedlichen Ich-Formen an einem Beispiel verdeutlichen.

Der Sachverhalt: Frau Weiß ist mit dem Auto in die Stadt gefahren, um den Anzug ihres Mannes von der Reinigung abzuholen. Auf der Rückfahrt passiert ihr ein kleines Missgeschick: In der Eile übersieht sie ein von rechts kommendes Fahrzeug, das in ihre Straße einbiegt. Es kommt zu einem leichten Unfall mit Blechschaden. Obwohl der Sachverhalt, das tatsächliche Geschehen eindeutig bestimmbar ist, hat Frau Weiß mehrere Möglichkeiten, ihrem Mann von dem Unfall zu berichten:

  1. a) “Das war das letzte Mal! Zukünftig kannst Du Deine Angelegenheiten selbst erledigen! Immer passiert irgend etwas in der Eile. Auf dem Rückweg ist mir doch tatsächlich so ein Idiot in den Wagen gefahren!”
  2. b) “Ich muss Dir etwas sagen. Mir ist ein kleines Missgeschick passiert. Auf der Rückfahrt von der Reinigung habe ich einen Wagen übersehen, der von rechts in meine Straße einbog. Ich habe noch versucht zu bremsen – aber da war es schon zu spät.”
  3. c)In weinerlichem Ton:“Mir ist etwas Fürchterliches passiert. Auf der Heimfahrt bin ich einem anderen Auto in die Seite gefahren. Glaub mir, ich kann wirklich nichts dafür. Es war nicht meine Schuld.”

Wenn Sie sich die verschiedenen Antworten näher ansehen, werden Sie keine Mühe haben, herauszufinden, aus welchem Ich-Zustand heraus Frau Weiß jeweils von dem Unfall berichtet hat.

Der weitere Verlauf des Gesprächs hängt davon ab, an welchen Ich-Zustand ihres Partners die Frau sich wendet. Und: Mit welchem Ich-Zustand der Mann tatsächlich auf die Nachricht reagiert.

Eine Kommunikation auf gleicher Ebene ist dann möglich, wenn der Mann auf den Transaktionsreiz b) (“Ich muss Dir etwas sagen. Mir ist ein kleines Missgeschick passiert…”), der aus dem Erwachsenen-Ich kommt, ebenfalls aus seinem Erwachsenen-Ich heraus reagiert (“Hasf Du Dich bei dem Unfall verletzt?”). In einem solchen Fall sprechen wir von einer Parallel-Transaktion, Denn die Reaktion des Mannes entspringt dem Ich-Zustand, den seine Frau angesprochen hat.

Eine parallel laufende Transaktion ist dann gegeben, wenn der Gesprächspartner in der Ich-Form reagiert, die vom Sprecher erwartet wird. Solche Parallel-Transaktionen können auf jeder Ich-Ebene erfolgen.

Was die anderen Formen der Nachrichtenübermittlung angeht, die wir in unserem Beispiel erwähnt haben, so sind verschiedene Reaktionen denkbar. Auf den Transaktionsreiz c) (“Mir ist etwas Fürchterliches passiert…”), der dem Kindheits-ich von Frau Weiß entspringt und der sich an das Eltern-Ich ihres Mannes richtet, kann der Empfänger der Mitteilung mit seinem stützenden Eltern-Ich reagieren (“Glücklicherweise hast Du Dich nicht verletzt…”).

Eine andere Variante: Auf den aus dem kritischen Eltern-Ich stammenden Reiz a) (“Das war das letzte Mal! Zukünftig kannst Du Deine Angelegenheiten selbst erledigen…”) kann der Mann mit seinem angepassten Kindheits-ich antworten (“Du hast recht. In Zukunft werde ich selbst…”).

Darüber hinaus wäre eine Parallel-Transaktion von Eltern-Ich zu Eltern-Ich denkbar.  Oder eine parallel ablaufende Transaktion zwischen den beiden Kindheits-ichs.

Daraus ergibt sich folgende Grundregel:

Solange eine Parallel-Transaktion vorliegt, solange der Reiz auf der angesprochenen Ich-Ebene beantwortet wird, ist eine zeitlich unbegrenzte Kommunikation möglich.

Im beruflichen Bereich ist eine Transaktion von Erwachsenen-Ich zu Erwachsenen-Ich am angemessensten. Auf dieser gemeinsamen Ebene können möglicherweise vorhandene Schwierigkeiten am besten bewältigt werden.

Wenn wir uns noch einmal das oben erwähnte Beispiel vor Augen führen, können wir eine weitere Variante durchspielen. Es wäre durchaus möglich gewesen, dass der Mann auf den aus dem Erwachsenen-Ich seiner Frau kommenden Reiz b) (“Ich muss Dir etwas sagen. Mir ist ein kleines Missgeschick passiert…”) anders als von seiner Frau erwartet reagiert hätte.

Aus seinem kritischen Eltern-Ich heraus hätte er seiner Frau Vorwürfe machen und rechthaberisch antworten können (“Da haben wir es wieder! Kannst Du denn nicht besser aufpassen? Hundertmal habe ich Dir gesagt, dass Du vorsichtig sein sollst, sobald…”). Indem der Mann sein kritisches Eltern-Ich einsetzt, will er sich damit an das angepasste Kindheits-ich seiner Frau wenden. In einem solchen Fall kreuzen sich die Pfeile unseres Schaubildes. Denn die Transaktionsantwort kommt aus einem anderen Ich-Zustand als dem eigentlich angesprochenen. In diesem Fall liegt eine Kreuz-Transaktion vor.

Dies ist eine für die meisten Gespräche sehr ungünstige Konstellation, denn sie führt -wenigstens vorübergehend – zu einer Unterbrechung der Kommunikation, zu einem, keinem der beiden Gesprächspartner dienenden Stillstand. Bei Kreuz-Transaktionen wird der weitere Verlauf des Gesprächs – wenn es denn überhaupt zu einer Fortführung kommt – zumeist sehr unerfreulich sein. Das Gespräch kann nicht mehr vernünftig fortgeführt werden.

Denn: Der Gesprächspartner fühlt sich, nachdem seine Erwartungen nicht erfüllt wurden, nicht mehr ernst genommen. Er hat das Gefühl, dass auf sein Anliegen, seine Nachricht nicht angemessen reagiert wurde. Er fühlt sich missachtet

Und diese Missachtung wird in den meisten Fällen eine Kettenreaktion auslösen. Der solchermaßen Enttäuschte reagiert seinerseits mit negativen Gefühlen. Mag er sie auch nicht direkt aussprechen, so wird er sie doch mit Hilfe des kritischen Eltern-Ichs auf andere Weise zum Ausdruck bringen. Die Folge: Es kommt zu einer erneuten Kreuz-Transaktion, das Gespräch gerät völlig aus den Fugen.

Solche Kreuz-Transaktionen entstehen zumeist dann, wenn ein Reiz aus dem Erwachsenen-Ich mit einer Reaktion aus dem Kindheits-ich oder dem Eltern-Ich beantwortet wird. Wir haben damit eine zweite Grundregel kennengelernt:

Wenn eine Kreuz-Transaktion vorliegt,

wenn Reiz und Reaktion sich kreuzen,

wird es zu einer – zumindest vorübergehenden –

Unterbrechung der Kommunikation kommen.

Das Ziel Ihrer Kommunikation muss es deshalb sein: Zu versuchen, nach Möglichkeit immer Parallel-Transaktionen herzustellen, um mit Ihrem Gesprächspartner in Kontakt zu bleiben. Und: Wann immer es geht, Kreuz-Transaktionen zu vermeiden. Bei entsprechender Übung und einem angemessenen Einfühlungsvermögen wird es Ihnen gelingen, diese Fähigkeit zur sinnvollen Kommunikation zu entwickeln.

Aber: Es gibt auch Gesprächssituationen, in denen die Herbeiführung einer Kreuz-Transaktion sinnvoll und zweckmäßig sein kann.

Zwei Beispiele:

Wird ein Gespräch in einer endlosen Parallel-Transaktion von Eltern-Ich zu Eltern-Ich geführt, dann ist es durchaus angebracht, durch eine Kreuz-Transaktion dem Gespräch eine Wendung, eine andere Richtung zu geben.

Im Umgang mit Mitarbeitern ist es oft notwendig, dass eine Transaktion zwischen Kindheits-ich (Mitarbeiter) und Eltern-Ich (Vorgesetzter) unterbrochen wird, dass man das Gespräch auf die Ebene des Erwachsenen-Ichs lenkt. Ziel des Vorgesetzten ist es, seinen Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, die Schwierigkeit selbst zu bewältigen.

Das heisst: Dem Mitarbeiter, der sich mit der Absicht an den Vorgesetzten gewandt hat, dass dieser ihm die Aufgabe abnehmen möge, wird durch entsprechende Sachinformation die Möglichkeit gegeben, das Problem selbst zu lösen.

Sie müssen sich klar machen: Wie Sie ein Gespräch beginnen und weiterführen, welche Ich-Form Sie bei Ihrem Gesprächspartner ansprechen, ist Ihnen selbst überlassen. Sie treffen die entsprechende Entscheidung, denn nur Sie können beurteilen, welche Form der Transaktion, welche Art der Reaktion in der betreffenden Situation zweckmäßig und sinnvoll ist.

Und: Wenn Ihre Gesprächsabsicht durch Kreuz-Transaktionen gestört wird, dann gibt es zwei Möglichkeiten der Reaktion: Sie können Ihrem Gesprächspartner den Gefallen tun und sich tatsächlich über sein Verhalten argem. Oder: Sie versuchen, das Gespräch wieder auf die gewünschte Ebene zu lenken und ignorieren die Provokation, die in der Kreuz-Transaktion zum Ausdruck kam.

Die Welt ist immer so wie du:
Ein Lächeln, und sie lacht dir zu,
ein wenig Trotz, ein wenig Zorn
und statt der Rose blüht der Dorn.“
Simon Dach

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